Herz vs. Kopf - wie Umfeld durch "sinnvolle" Gründe Kopf siegen lässt

Jedenfalls im Hinspiel, in dem Herz in Unterzahl war. Fürs Rückspiel erhält es aber kompetente Verstärkung von nein-miez, nur88, kyra97 und maribu08 aus Team Urbia. Wer gewinnt, Herz oder Kopf?



Wenn die Vernunft sagt, so wird die Zukunft sein, ist sie nicht selten unvernünftig

Grüß Gott zusammen!


Hier geht es wieder um ein Einzelschicksal, nämlich um die Userin "blaubeermond", die im Urbia Forum um Rat fragte: "Hilfe!!! Schwanger zum ungünstigsten Zeitpunkt!"

Bei solchen Einzelschicksalen werde ich meist den vollständigen Text und Link eines anonymen Posts hineinkopieren. Dieser wird jeweils so alt sein, dass Entscheidung schon gefallen ist, womit Kommentare dort überflüssig sind.



1. Herz vs. Kopf Hinspiel


“Ich bin ein wenig am Ende mit meinen Nerven und weiß nicht weiter.

Ich bin fast 29 und habe eine Zusage dass ich eigentlich ab November mit meiner 6 monatigen Weiterbildung zur Kundenbetreuerin im Nahverkehr anfangen kann und im Anschluss auch direkt übernommen werde. Ich habe zwar bereits eine abgeschlossene Ausbildung, aber es ist jetzt schon über 5 Jahre her, dass ich in dem Bereich gearbeitet habe und ich denke da würde ich auch nicht mehr reinkommen. Momentan bin ich arbeitslos. Hinzu kommt das ich 4000€ Schulden habe, die ich bisher in kleinen monatlichen Raten versuche abzuzahlen. Und ich bin erst vor ein paar Monaten in eine WG mit 2 anderen Mädels gezogen. Nun zum großen Problem: ich bin in der 9. Woche schwanger (ungeplant). Mein Freund möchte eigentlich kein Kind und fängt gerade mit einem neuen Studium an (das auch etwas weiter weg ist). An sich wäre eine Abtreibung am Sinnvollsten, aber vom Gefühl her freue ich mich eigentlich über das Kind. Auch wenn ich weiß das keiner wirklich hinter mir stehen wird und mich für verrückt erklären würden, sollte ich es behalten. Ich bin verzweifelt und weiß nicht so recht was ich machen soll. War auch schon zur Beratung zur Abtreibung aber so wirklich weiter gebracht hat es mich nicht. Was denkt ihr? Wäre es egoistisch und dumm von mir das Kind bekommen zu wollen. Man sagt mir auch immer ich kann auch noch zum späteren Zeitpunkt ein Kind bekommen, wenn alles stabiler ist. Hab aber auch Angst das irgendwas vorfällt wodurch ich nie wieder Kinder bekommen kann oder es einfach zu spät ist.

Ich weiß einfach nicht wofür ich mich entscheiden soll und ob ich dann auch die richtige Wahl treffe. Wäre schön auch ein paar Erfahrungen zu hören, wo es vlt. ähnlich war/es auch unpassend kam und wofür ihr euch letztendlich entschieden habt.”


Wichtigster Punkt:


“An sich wäre eine Abtreibung am Sinnvollsten, aber vom Gefühl her freue ich mich eigentlich über das Kind.”


Emotional würde sie sich für das Kind entscheiden wollen, aber aus verschiedenen Gründen erscheint die Abtreibung “sinnvoll”. Würden diese Gründe kleiner sein, würde sie Abtreibung eher nicht in Erwägung ziehen.


SCHLUSSFOLGERUNG:


Wenn Dritte diese Gründe mitverursachen, sind diese Dritten mitverantwortlich, dass eine Abtreibung erwogen wird, also dass das ungeborene Kind vielleicht nicht weiterleben wird.



2. Gründe ohne klare Verantwortung Dritter



a) “fast 29”, “Zusage ... Weiterbildung ... auch direkt übernommen”

b) “abgeschlossene Ausbildung … über 5 Jahre her … nicht mehr reinkommen”

c) “Momentan bin ich arbeitslos”


In Summe ist das eine laut der Leiterin der Beratungsstelle Donum Vitae Weiden öfters vorkommende Situation. Aber keine klare Verantwortung Dritter erkennbar, falsche Entscheidung ihrerseits können Ursache sein.


d) “4000€ Schulden“


Ursache ebenfalls unklar. Zusammenhang Berufssituation plausibel.


SCHLUSSFOLGERUNG:


Für einen Teil ihrer schwierigen Situation ist eine Mitverantwortung Dritter anhand der vorhandenen Informationen nicht belegbar.



3. Gründe mit Verantwortung Dritter



e) “Mein Freund möchte eigentlich kein Kind”


Er kann gerne die Absicht gehabt haben, keine Kinder zu zeugen. Nur hat er das inzwischen getan.


Also was genau soll das, dass er ihr nicht sagt: “Zwar wollte ich momentan keine Kinder; aber mach dir deshalb keine Gedanken, wenn’s passiert ist, ist es passiert, du kannst auf mich zählen”?


Warum er ihr sowas nicht gesagt hat, ist unklar; aber dass er ihr nichts in der Richtung gesagt hat, ist daran ersichtlich, dass sie nur über ihn sagt, es würde kein Kind wollen. Durch dieses Unterlassen hat er Mitverantwortung.


f) “und fängt gerade mit einem neuen Studium an (das auch etwas weiter weg ist)”


Da sich 29-jährige Frauen selten mit 19-jährige Männer abgeben (“... durchschnittliche Altersunterschied ... rund vier Jahre.”) und sie “neuen” verwendet, ist das nahezu sicher nicht die Erstausbildung nach dem Abi.


Somit sind wenigstens im Nachhinein falsche Entscheidungen seinerseits und/oder Umstände, die diese Entscheidungen verursacht haben, mit Ursache, dass sie eine Abtreibung erwägt.


Dies ist ihm auch in gewissem Maße anrechenbar; denn Männer sollten eigentlich wissen, dass manche Frauen auf 30 zugehend Kinderwunsch haben könnten und sollten vorsorglich auch ans Geldverdienen denken (Nicht vergessen: sie wird hier nicht angeprangert; nur alle anderen).


g) “Auch wenn ich weiß das keiner wirklich hinter mir stehen wird und mich für verrückt erklären würden, sollte ich es behalten.”


Also nicht nur der KV lässt sie voraussichtlich wegen einem “neuen” Studium mit mutmaßlich Ende 20 hängen, auch auf ihr sonstiges Umfeld kann sie nicht zählen.


Somit gibt es eine Mitverantwortung des Umfeldes. Denn jede Frau kann ungeplant schwanger werden und keine sollte fürchten, von ihrem Umfeld als “verrückt” bezeichnet zu werden, weil sie ihr ungeborenes Kind am Leben lässt.


h) “War auch schon zur Beratung zur Abtreibung aber so wirklich weiter gebracht hat es mich nicht. Was denkt ihr? Wäre es egoistisch und dumm von mir das Kind bekommen zu wollen. Man sagt mir auch immer ich kann auch noch zum späteren Zeitpunkt ein Kind bekommen, wenn alles stabiler ist.”


Wie kann es sein, dass sie bei einer Beratung war, deren Zweck ist:


“Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen...”


und dennoch gibt die Frau an, man sage ihr “immer” sie könne auch später Kinder bekommen? Hat man sie nicht in der Beratung ermutigt, dass es nicht “verrückt” ist, dieses Kind zu bekommen?


Zwar ist das Ermutigen zur Fortsetzung der Schwangerschaft für BeraterInnen oft nicht einfach, aber hier wäre es wohl möglich gewesen.


SCHLUSSFOLGERUNG:


Mitverantwortlich sind hier eindeutig der Kindsvater, das Entscheidung für Kind mutmaßlich als “verrückt” ansehende Umfeld und Versäumnisse in der Beratung der Frau emotional gegen diese Ablehnung zu helfen.



4. Herz vs. Kopf Rückspiel


Positiv ist, von Mitschuld kann man nicht sprechen, denn sie hat sich für das Kind entschieden:


“Ich wollte nur mal nach längerer Zeit berichten, dass ich mich für das Kind entschieden habe und sehr glücklich mit der Entscheidung bin. ... Mein Freund hat sich mittlerweile auch an den Gedanken gewöhnt und wir planen jetzt zusammen zu ziehen. ... Auch mein restliches Umfeld hat die Nachricht sehr positiv aufgenommen und ich erhalte viel Unterstützung. Nur meine Eltern waren am Anfang etwas besorgt und nicht sehr positiv eingestellt, aber auch das hat sich mittlerweile gelegt und sie wollen mich unterstützen."


Auffallend ist, dass ihre Befürchtungen zu großen Teilen unberechtigt waren.


Das Umfeld hat sie doch nicht für “verrückt” erklärt, der Freund hat - verspätet - den Wunsch nach Zeugung keiner Kinder abgelegt und stellt sich dem Vater sein.


Aber was hat ihr geholfen? Unsere kinderfreundliche Gesellschaft? Hervorragende Beratung? Familienfreundliche Arbeitswelt? Einstellung unter Männern, keine Angst vor den eigenen Kindern zu haben?


Nichts davon, in ihren eigenen Worten:


“Danke auch für eure zahlreichen Antworten und die aufbauenden Worte. Ihr wart mir eine große Stütze in dieser harten Zeit in der ich auch mit sonst keinen darüber reden konnte.”


Sie selbst hat es geschafft, diese teils unberechtigten Ängste zu überwinden; und einzige echte Hilfe waren ihr einige anonyme UserInnen des Urbia-Forums mit vertrauenerweckenden Namen wie “nein-miez”, “nur88”, “kyra97” oder “maribu08”.


ZUSAMMENFASSUNG:


  • Frau treibt beinahe wegen zum Teil unbegründeten Ängsten bezüglich Ablehnung Umfeld/Kindsvater und einer sie nicht im Ja zum Kind bestärkenden Beratung ab.


  • Einzige echte Hilfe beim Kampf gegen die widrigen Umstände und Ängste waren anonyme Urbia-UserInnen (Danke Team @Urbia).


  • Folglich kann sowohl jeder einzelne als auch Gesellschaft als ganzes etwas gegen Abtreibungen tun, nämlich nicht Frauen den Eindruck vermitteln, Kind am Leben lassen sei “verrückt”. Gute Beratung kann ebenfalls helfen.


  • Das Verhalten des Kindsvaters kann sowohl das Ja zum Kind als auch das Leben mit dem Ja zum Kind erheblich beeinflussen. Männer könnten und sollten ihren Beitrag zum Schutz ungeborener Menschen leisten.


  • Konfliktsituationen können komplex sein; hier sind 8 verschiedene, aber teils zusammenhänge Gründe erkennbar; nur bei der Hälfte ist eine Mitverantwortung Dritter eindeutig. Aber wir Dritte sollten uns wenigstens um das kümmern, für das wir verantwortlich sind.



Im Übrigen gehören zum Kinder machen ZWEI, also sind auch beide für die Kinder verantwortlich.



#Abtreibungspranger #Einzelschicksal #Abtreibung #Schwangerschaftsabbruch #Lebensrecht #Gleichberechtigung


Bildquelle: https://unsplash.com/photos/78yR8o55EJY


Links:

https://www.urbia.de/forum/30-ungeplant-schwanger/5272864-hilfe-schwanger-zum-unguenstigsten-zeitpunkt


https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/frauen-ueber-25-treiben-oefter-ab-id2744443.html


https://www.abtreibungspranger.de/post/statistik-ist-wichtig-für-schuldnachweis-teil-i


https://www.t-online.de/leben/liebe/id_73316790/altersunterschied-ab-diesem-abstand-wird-es-problematisch.html


https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__219.html


https://www.urbia.de/forum/30-ungeplant-schwanger/5272864-hilfe-schwanger-zum-unguenstigsten-zeitpunkt?page=2

31 Ansichten
  • Instagram

Abtreibungspranger / Abtreibung Pranger: Grundgesetz verlangt, Menschenwürde und Lebensrecht ungeborener Menschen und geborener Frauen schützen; gelingt am besten, wenn Frau von sich aus Ja zum Kind sagt. Deshalb anprangern, was Schwangeren das „Ja zum Kind“ erschwert. Ohne Nachteile für Frauen oder Gleichberechtigung.

©2019 by Abtreibungspranger Proudly created with Wix.com